3D ohne 3D-Brille!?

Posted on Mai 2nd, 2010 in Technik


Polfilterbrille fotografiert
von Stefan Kühn

Schon vor 70 Jahren war es möglich und wurde zumindestens für Testzwecke auch eingesetzt, die 3D-Darstellung ohne die lästigen 3D-Brillen. Was damals noch an dem Stand der Technik scheiterte, wird in ein paar Jahren möglich sein, bzw. großflächig eingesetzt. Ankündigungen, wie beispielsweise der Nintendo 3DS, lassen aufhorchen.

Im Jahr 1940 konnte man in einem Moskauer Kino einen Film in 3D sehen, ohne dafür eine spezielle Brille aufgesetzt haben zu müssen. Möglich gemacht hat dies damals eine Gitterkonstruktion, die dafür sorgte, dass die beiden Augen lediglich die Bilder zu sehen bekamen, die für sie bestimmt waren. Das Problem an der Konstruktion war aber, dass der schöne Effekt schnell kaputt war, nämlich dann, wenn man sich aus seiner starren Lage bewegte. Und mehr als 1 Stunde regungslos Film zu schauen, dass schaffen auch die härtesten Kinofreunde nicht.
Es blieb also nur die Brille, die zwar gut funktionierte, aber eben doch eine Komponente mit sich brachte, der man sich nur zu gerne entledigen wollte.

Inzwischen gibt es neue Techniken, die zwar auch auf dem Prinzip aus dem Moskauer Kino basieren, dennoch aber flexibler und besser sind. So lenken nun beispielsweise Linsenraster die Teilbilder zum passenden Augen und das ohne große Lichtverluste. Linsenraster kann man im übrigen auch von den netten „Wackelbildern“ kennen, die in Cornflakes- oder Schokoriegelverpackungen immer wieder zu finden sind.

Diese Linienraster oder aber auch Barrierefilter werden momentan in so gut wie allen 3D-Bildschirmen eingesetzt. Verfeinert wird das Ganze bei den Bildschirmen noch durch sogenannte Multiview-Schirme, die eine auftretende Kopfschmerzwahrscheinlichkeit abgemildern, die aufkommen kann, wenn beispielsweise bei einer Kopfbewegung das rechte Auge auch Bilder sieht, die eigentlich für das linke Gedacht sind und anders herum. Mit den mehreren Ansichten, die ein Multiview-Schirm bietet, macht auch eine Positionsänderung des Kopfes nicht mehr soviel aus. Dennoch kann es auch bei Multiview-Bildschirmen zu Kopfschmerzen kommen, nämlich an den Übergangspunkten der verschiedenen Perspektiven. Auch bei der Auflösung gibt es momentan noch Probleme, da obwohl das Auge immer nur zwei Ansichten zu sehen bekommt, im Hintergrund alle Ansichten gequetscht werden müssen. So erhält man die reale Auflösung, wenn man die physische Auflösung durch die Anzahl der Ansichten teilt. Und die Ansichten können schon jetzt eine hohe Anzahl haben, während es bei LG oder Samsung beispielsweise neun sind, sind es bei Sunny Ocean Studios gar 64 Ansichten, wie man auf der diesjährigen Cebit am Stand des Unternehmens sehen konnte.
Problematisch ist die Anzahl der Ansichten auch für die Produktion von Inhalten. Umso mehr Ansichten, umso komplexer ist auch Erschaffungen von Inhalten, wie beispielsweise Filmen dafür.

Es geht aber auch anders. Maßgeblich für den Einsatz der speziellen Technik ist die Frage entscheidend, ob es lediglich einen Betrachter gibt, oder gar mehrere. Während bei Multiview-Bildschirmen gleich mehrere Betrachter in den 3D-Genuss kommen, gibt es ebenfalls Techniken, die speziell auf einen Betrachter zugeschnitten sind.

So gibt es beispielsweise den Ansatz, dass eine Kamera die jeweilige Position des Betrachters registriert und sich danach ausrichtet. Dies kann z.B. durch eine Mechanik im Monitorfuß oder aber auch durch Verschiebung der Lentikularlinsen realisiert werden. Solch eine Realisierung ist aber sehr teuer und damit kaum für den Alltag denkbar. Mit einem fast gleichen Ansatz, aber viel günstiger, geht es für die Anpassung des Stereobilds beispielsweise mit der Umstellung per Software. Realisiert werden kann dies schon durch die Software des Unternehmens SeeFront. Das tolle daran, neben einer Linienraster-Scheibe braucht man keine weitere Zusatzhardware. Während im „3D-Betrieb“ diese Technik durchaus überzeugen kann, gibt es ausgerechnet im „2D-Betrieb“ Probleme. So werden dort lediglich stark verzerrte Bilder angezeigt, sodass ein normales Arbeiten nicht möglich ist. Eine Lösung könnte eine weiter Aufbereitung des Bildes sein, diesmal aber entsprechend für den „2D-Betrieb“. Hier fehlt aber wohl noch der entscheidende Schritt, wobei auch hier die Technik sich schon etwas einfallen lassen wird.

Man darf gespannt sein, wie sich alles weiterentwickelt wird, klar ist aber, eine Entwicklung wird stattfinden und findet momentan auch schon statt. Zwar setzen aktuelle 3D-Fernsehgeräte alle noch auf Shutterbrillen, dass dies sich aber ändern wird, ist absehbar. Das größte Problem ist allerdings immer noch die Anzahl der Betrachter. Während es bei mehreren Betrachtern wohl länger dauern könnte, bis sie alle ohne 3D-Brille gleichzeitig auf einen Bildschirm schauen können, ist es für einzelne Personen wohl schon bald so weit, dass sie ihre 3D-Brille zur Seite legen können. Hier steht nur noch das Problem bzgl. des Wechsels von 2D- zum 3D-Betrieb im Weg, das aber bald gelöst werden soll. Nintento könnte mit dem neuen Handheld: Nintendo 3DS hier ein Vorreiter sein und wieder viel Lorbeeren einstecken. Wie das geht, zeigte das Unternehmen schon mit der Einführung der revolutionären Spielekonsole Wii. Man darf also gespannt sein …

Quellen:
c’t Magazin Ausgabe 10 vom 26.04.2010
Wikipedia


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